Brochenzell · St. Jakobus

Inhalt

Allgemeine Hinweise · Links
1 · Außen & Heilig-Kreuz-Kapelle
2.1 · Grundriss der Kirche
2.2 · Schiff (neu) - Überblick
3.1 · Altarraum - Chor (neu)
3.2 · Altarraum - Überblick und Details
4.1 · Taufkapelle - ehemals Chor
4.2 · Epitaph Franz Georg Löcher
4.3 · Taufkapelle (ehemals Chor) - Überblick und Rosenkranzaltar
4.4 · Taufstein
4.5 · Einzelfiguren
4.6 · Chorgestühl
5 · Im Schiff: Hll. Jakobus & Muttergottes - Kreuzwegstationen
Impressum

Ein 2005 vom Kath. Pfarramt St. Jakobus Maior Brochenzell herausgegebener Kirchenführer (in der Kirche erhältlich) beschreibt diese außergewöhnliche Pfarrkirche und Kirche am Jakobsweg sehr genau und schön. Aus ihm wird nachfolgend des öfteren zitiert.

Die Homepage der Kirchgemeinde gibt ebenfalls Auskunft, sowie Wikipedia:
"Die einschiffige Kirche mit Ausrichtung nach Osten entstand vermutlich in der Zeit der zu Ende gehenden Spätromanik in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Eng verbunden mit dem aufkommenden Ortsnamen Brochenzell, der sich von gebrochener Zelle ableitet, wird in einem Konstanzer Investiturprotokoll von 1466 die Kirche als ruinosum, also als Ruine, bezeichnet.
Die Herren von Humpis, die die Herrschaft Brochenzell erwarben und das benachbarte Schloss erbauten, ließen auch die Kirche baulich verändern und gaben ihr schließlich 1624 ein gotisches Aussehen. 1734 wurde das Kirchengebäude barockisiert.
In den 1970er Jahren folgte ein grundlegender Umbau, der aufgrund des starken Bevölkerungszuwachses nötig wurde. So entstand im Süden des alten Kirchenschiffs ein Anbau, der seitdem als neues Schiff fungiert. Das alte Schiff hingegen wurde zum Chorraum umfunktioniert, während der alte Chorraum mit dem Rosenkranzaltar die Aufgabe einer Taufkapelle erhielt."

Hingewiesen sei auch auf eine Website, die hochdeutsch "Es ist es wert" heißen würde, schwäbisch jedoch: "s ischs wert". Dort findet man sowohl die St. Jakobuskirche, als auch die Heilig-Kreuz-Kapelle.

In der Beschreibung des Oberamts Tettnang/Kapitel B 5 findet man unter "5. Gemeinde Ettenkirch - bestehend aus 28 Parzellen und 871 katholischen Einwohnern" - Ziffer 5:

Brochenzell, ein vormals Weingartischer Pfarrweiler mit 167 katholischen Einwohnern, 13/8 Stunde von Tettnang, am rechten Ufer der Schussen. Das Patronat ist Königlich. Der Ort hat eine etwas feuchte, doch nicht ungesunde Lage. Es befinden sich im Orte ein Schlößchen, eine Schildwirthschaft, eine Mahl- und Sägemühle. Das Schlößchen, das ehemals den v. Humpiß gehörte, ist jetzt das Wirthshaus; der Ort hat auch Schule und Schulhaus. Die Pfarrkirche zum heiligen Apostel Jakob, deren Erhaltung auf dem Kirchenfonds lastet, wurde 1624 neu erbaut; in ihr ist noch eine unterirdische, mit einer Steinplatte verschlossene, Gruft der v. Humpiß. Zum Pfarrsprengel gehören 8 Parzellen der Gemeinde Ettenkirch, 3 der Gemeinde Liebenau und 3 der Gemeinde Unter-Meckenbeuern. Brochenzell heißt in einer Urkunde des Klosters Löwenthal von 1472 „zu der zerbrochenen Zelle“ und verdankt wahrscheinlich einer der Zellen, wie die der frommen Andacht geweihten Wohnsitze der ersten Priester des Christenthums benannt wurden, die man in der Bodenseegegend findet, seinen Ursprung. Als eine alte Zugehörung des Linzgaus gehörte Brochenzell später zur Grafschaft Heiligenberg. Im Jahr 1401 verkaufte es Graf Albrecht von Werdenberg-Heiligenberg an Conrad Ruch zu Constanz. Kaiser Sigismund zog 1427 Brochenzell „als ein verschwiegen und heimgefallen Lehen“ an sich, und verlieh es dem Grafen Hans von Höwen. 1455 kam der Ort von diesem an Ital und Jos die Humpiß, deren Familien dritthalbhundert Jahre lang im Besitze desselben blieben. Der Ort bildete mit Zugehör eine eigene Herrschaft, die mit Niedergerichtsbarkeit und Besteuerungsrecht dem Ritter-Canton Hegau einverleibt war. Zu der Herrschaft gehörten die oben schon genannten 9 Weiler und Höfe. Die über die Jurisdiction entstandenen Streitigkeiten mit der Landvogtei wurden von Kaiser Maximilian I. im Jahr 1512 dahin entschieden, daß die Landvogtei die hohe, Humpiß die niedere Gerichtsbarkeit haben soll. Im Jahr 1710 verpfändeten die Erben des Marquart Jak. v. Humpiß zu Waldrams die Herrschaft an das Kloster Weingarten, dem sie sie 1723 in einem festen Kauf überließen. Von dieser Zeit an bildete sie das Weingartische Klosteramt Brochenzell, blieb übrigens in ritterschaftlichem Verband. Durch den Vertrag von 1740 gelangte das Kloster auch zu dem pfandschaftlichen Besitz der hohen Gerichtsbarkeit, s. Ravensburg, S. 153. Als Weingartische Besitzung kam Brochenzell 1802 an Nassau-Oranien; durch die Rheinische Bundesakte, und da es eine inclavirte ritterschaftliche Besitzung war, durch den besondern Staatsvertrag mit Bayern vom 13. Oktober 1806 kam es unter Würtembergische Hoheit und theilte hierauf das Schicksal der Nassauischen Herrschaft Weingarten,

1.1 · Außen

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1.2 · Außen - Heilig-Kreuz-Kapelle

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Pfarrkirche befindet sich die 1622 von Ortspfarrer Urban Lidel errichtete Heilig-Kreuz-Kapelle. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Bau nach Osten hin mit einer offenen tonnengewölbten Vorhalle erweitert. Die alte Giebelwand ziert ein Kreuz, überhöht von Gottvater, umgeben von Maria, Johannes und Engeln, die mit Gefäßen das Blut Christi auffangen. Im vorderen Giebel sind Sandsteinskulpturen der von Engeln begleiteten Hl. Helena und unter dem Gesims auf Konsolen links der Kirchenpatron St. Jakobus und rechts der zweite Hauptpatron der größten Bruderschaft des Ortes, der Hl. Sebastian zu sehen.
Seit 1951 ist die Kapelle Gedenkstätte für die Gefallenen und Toten der Pfarrei aus den beiden Weltkriegen, deren Namen in eine Steinplatte gemeißelt in das Antependium des Altars eingefügt sind.

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Foto: (c) Andreas Praefcke (2008) - Quelle: Internet

An der Nordwand der Kapelle befindet sich das bedeutendste ortsgeschichtliche Bildwerk der Gemeinde, eine Kalksteintafel. Sie zeigt das Bildnis des Stifters kniend am Fuß des Kreuzes; darüber der Hl. Franziskus, der den Herrn am Kreuz umfängt und seitlich die fürbittende Muttergottes. Unter dem Kreuz sind die drei markantesten Gebäude des Dorfes, links die Kirche, das Schloss und rechts das sogenannte Steinhaus abgebildet. Laut Signatur „IZDI 1622" war Johannes Zürn der Jüngere, Bildhauer aus Waldsee, der Schöpfer des Gedenksteins.

Die lateinische Inschrift, links unten beginnend, lautet:

Herr Jesus Christus, bitte verlaß mich nicht als Waisen in meinen Bedrängnissen und verurteile mich nicht, wenn über mich Gericht ergehen wird in dem furchterregenden und schreckenvollen Gericht Der hochwürdige Herr Urbanus Lidel Gründer (der Kapelle) im Alter von 32 Jahren.

Maria unter dem Kreuz bittet den Erlöser:

Sohn, verschone du ihn aufgrund deines Leidens, ich will es um meiner Mutterschaft willen (tun).

(Übersetzer: Wilfried Weißhaupt, Ravensburg-Oberhofen)
Quelle: Kirchenführer

2:1 · Grundriss der Kirche

Auch diese Kirche wurde in den Nachkriegsjahren massiv umgebaut, um den damals hohen Gottesdienstbesucherzahlen gerecht zu werden. So wurde der "alte" Chor zur Taufkapelle, das "alte" Schiff zum "neuen" Chor und hieran im rechten Winkel ein neues, großes Schiff angesetzt. Ähnliche Versuche wurden am Bodensee unternommen z.B. in Immenstaad bzw. in Kluftern.

Aus dem Kirchenführer: Das moderne Kirchenschiff nach Plänen des Architekten Alphons Weiger aus Kressbronn (1971) ist ohne besondere künstlerische Architekturelemente klar gegliedert. Die Stahlbetonbauweise mit unverputzter Ausmauerung und einer Sichtbetonkassettendecke setzt sich deutlich vom historischen Baubestand ab. Die schmalen Wandflächen am Übergang zur alten Kirche sind links mit einer Statue des Kirchenpatrons St. Jakobus und rechts mit einer Madonna geziert.

Durch diese Maßnahme hat die Kirche natürlich ihre "Ostung" verloren - sie ist nun nach Norden gerichtet.

Der Grundriss oben (Gisbert Hoffmann, Tettnang) ist dem Kirchenführer entnommen und ergänzt (angedeutet) um das "neue" Schiff.

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2.2 · Schiff (neu) - Überblick

 

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3.1 · Altarraum - Chor (neu)

3.01 - 04: Überblick
3.05 - 07: Tabernakel / 3.08 - 3.13: Altar und Altarkreuz / 3.14 + 15: Ambo - von Bildhauer Alfred Appenzeller aus Altheim, von Friesinger und Metzger aus Kressbronn in Muschelkalkstein ausgeführt. Zwischen Altar und Nordwand steht ein einfaches schmales Stahlrohrkreuz mit einem frühbarocken Kruzifixus.
3.16 - 19: eine den ganzen Raum umlaufende gewölbte Deckenkehlung mit stuckiertem Flachrelief aus Putten, Blumengewinden, Vasen, Draperien und allegorischen Darstellungen aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
3.20 - 22: Zierelement der Nordwand sind drei Fenster - Entwurf von Kunstmaler Emil Kiess, Fürstenberg und Ausführung durch Atelier Peter Kretzer, Ravensburg.

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3.2 · Altarraum - Überblick und Details

 

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4.1 Taufkapelle - ehemals Chor

An der alten Chorbogenwand befanden sich bis zur Renovation 1971 zwei barocke Seitenaltäre, rechts ist heute ein Epitaph des Pfarrers Franz Georg Löscher (1751-1769) in die Wand eingelassen. Der nach Osten gerichtete Chor der alten Kirche erschließt sich dem Betrachter erst beim Betreten des Altarraumes. Dieser Raum besitzt eine flache barocke Stuckdecke mit einem Mittel- und vier Eckbildern und farbige Glasfenster aus dem frühen 20. Jahrhundert. In ihm befinden sich ein reich mit Intarsienarbeiten geziertes Chorgestühl, mehrere Skulpturen unterschiedlicher Stilrichtung und Qualität sowie als künstlerischer Höhepunkt der gesamten Kirchenausstattung ein barocker Säulenaltar mit künstlerisch wertvollen Gestaltungselementen zu Ehren des Rosenkranzes und der Eucharistie nach der Tradition des Dominikaner- ordens.

Quelle: Kirchenführer

4.2 · Epitaph Franz Georg Löcher

4.3 · Taufkapelle (ehemals Chor) - Überblick und Rosenkranzaltar

4.07 - 10: Überblick
4.11 + 12 / 13 + 14: Johannes der Täufer / Evangelist Johannes
4.20: Antependium (Hl. Jakobus)
4.23: Untere Ebene des Tabernakelbereichs
4.24 - 30: Einzelbilder
4.31: Mittlere des Tabernakelbereichs
4.31 - 37: Einzelbilder
4.38 - 41: obere Ebene des Tabernakelbereichs
4.42: Altarblatt (J. Feuchtmaier um 1730) - Übergabe des Rosenkranzes an die Hll. Dominikus und Katharina von Siena
4.43 - 49: Altarkrone mit Dreifaltigkeitsgruppe in der Mitte

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Das bedeutendste Kunstwerk der Brochenzeller Pfarrkirche ist ein Rosenkranzaltar, der 1817 aus dem ehemaligen Dominikanerinnenkioster Löwental (bei Friedrichshafen) für die Pfarrgemeinde erworben wurde. Der marmorierte Holzaufbau wurde 1683/84 von Hans Georg Winkel in Bregenz geschaffen. Es ist ein figurenbesetzter barocker Säulenaltar mit einem zentralen Altarblatt von J. Feuchtmayr (um 1730).

Über drei geschweiften Stufen steht eine gemauerte, holzverkleidete Mensa mit einer dreistöckigen, ornamental und figürlich reich geschnitzten Tabernakelarchitektur. In der Mittelachse im unteren Bereich befindet sich ein doppeltüriger Tabernakel, darüber eine Tabernakel-Drehbühne zur Aussetzung einer Monstranz.

Der Taufstein aus rotem Marmor mit sechseckigem Becken stammt aus der 1. Hälfte des 17. Jh. Die Taufszene im Nazarenerstil wurde 1889 vom Bildhauer Veit aus Oberammergau geschaffen.

4.4 · Taufstein

4.5 · Einzelfiguren

4.6 · Chorgestühl

4.7 · Chordecke (Aufnahme Mariens in den Himmel - 4 Evangelisten)

5 · Im Schiff: Hl. Jakobus & Muttergottes - Kreuzwegstationen

5.01 - 04: Hl. Jakobus
5.05 - 09: Madonna mit Jesuskind auf Mondsichel

Die sich heute in barockem Habitus präsentierende Madonna wurde bei einer Restaurierung im Jahr 1971 als spätgotisches Werk vom Beginn des 16. Jahrhunderts erkannt (laut Dehio aus Ulm um 1520 entstanden). Die Figur wurde um 1720 barockisiert.

Das andere spätgotische Holzbildwerk, der Hl. Jakobus, stammt mit größter Wahrscheinlichkeit vom gleichen unbekannten Meister wie die Madonna; beide dürften zu einem gotischen Altar gehört haben. Die Heiligenstatue ist ohne plastische Veränderung geblieben; bei der Restaurierung konnte die Originalfassung freigelegt und konserviert werden.

01 - 14: Kreuzwegstationen. Allgemeine Informationen zu Kreuzwegdarstellungen siehe hier.

 

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Impressum

St. Jakobus Brochenzell fotografiert am 08.08.2018 - 160 Bilder
Auf www.kirchen-online.com veröffentlicht am 04.04.2020 SDG
(c) 2020 Foto-Kunst Andreas Keller

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