Bregenz (A) · Abtei Mehrerau

Der offizielle Name lautet: Territorialabtei Wettingen-Mehrerau

Inhalt

Allgemeine Hinweise · Links
1 · Außen
2.1 · Klosterkirche - Überblick
2.2 · Chor - Hochaltar
2.3 · Seitenkapellen Südseite
3 · Gnadenkapelle
4 · Collegiums Kapelle
4.1 · Überblick und Details
4.2 · Papstbildnisse
4.3 · Orgel(empore)
4.4 · Bernhard von Clairvaux
4.5 · 12 Apostel
4.6 · Decke
4.7 · Sedet Sapientia
4.8 · Fenster
4.9 · Kreuzweg
4.10 · Das letzte Abendmahl
Impressum

Zwei Webseiten - Wikipedia und Homepage der Abtei- geben umfassend Auskunft über die Abtei Mehrerau, welche auf eine lange und ungemein wechselvolle Geschichte zurückblicken kann. Sie ist ein Zisterzienserkloster. Aufgrund der Sonderstellung von Wettingen-Mehrerau als Territorialabtei ist ihr Abt Mitglied der Österreichischen Bischofskonferenz.

Die Anfänge reichen in das 11. Jahrhundert zurück, Mehrfach geplündert und zerstört. Unter Abt Gebhard Raminger (1582–1616) wurde das ganze Klostergebäude renoviert und der prächtige Bibliothekssaal erbaut. Bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts konnte das Kloster durch Schenkungen der Montforter Grafen (Nachfolger der Grafen von Bregenz) seinen Besitz vergrößern und anstelle der früheren romanischen Basilika von 1740 bis 1743 unter Abt Franciscus Pappus von Tratzberg durch den Vorarlberger Barockbaumeister Franz Anton Beer einen Neubau der Klosterkirche errichten lassen.

1805 kam Bregenz zum Königreich Bayern und das Kloster wurde aufgehoben. Das Kloster wurde geplündert, die barocke Kirche zerstört und die Konventgebäude als Fabrik und Kaserne adaptiert.

Nach 1850 wurde das Kloster wieder besiedelt und mit Genehmigung von Kaiser Franz Joseph wurde es zur Zuflucht der Zisterzienser des Klosters Wettingen im Kanton Aargau in der Schweiz, das 1841 geschlossen worden war. Am 18. Oktober 1854 wurde die Abtei unter dem Namen „Wettingen-Mehrerau“ eröffnet.

1919 kaufte das Kloster die Wallfahrtskirche Birnau und das nahe gelegene Schloss Maurach; es betreibt sie bis heute als Priorat. In Mehrerau betreibt das Kloster ein Sanatorium, das als Belegspital geführt wird, und das Collegium Bernardi, ein Gymnasium mit Internat. Das Kloster ist auch im Bereich der Holz- und Landwirtschaft tätig, so durch einen Klostergutshof, eine Klostergärtnerei, eine Zimmerei sowie eine Tischlerei.

Die Abtei liegt am Bodensee-Rundweg (Rad- & Wanderweg), etwa 1,5 km westlich von der Seebühne Bregenz gelegen.

Ein Besuch sei nachdrücklich empfohlen, u.a.
- der Klosterkirche (neoromanischer Bau Mitte des 19. Jahrhunderts) mit großem, sehr karg ausgestattetem Innenraum und imposanter Skulptur über der gesamten Eingangsfront
- der Bernhardskapelle ("Collegiumskapelle"), im 2. Stock im Westtrakt gegenüber der Kirche gelegen, der Muttergottes geweiht mit zahllosen Bildwerken, Fenstern - opulenter Ausstattung. Das absolute Gegenstück zur Klosterkirche.
- Die anderen Räume sind nicht oder nur auf Voranmeldung zu besichtigen, auf der Website der Abtei werden sie ausführlich mit vielen Fotos (mustergültig) beschrieben.

1987 erschien bei Schnell & Steiner ein kleiner Kirchenführer - in der Zwischenzeit vergriffen und 2007 ersetzt durch einen ähnlichen, nun im Verlag Josef Fink, verfasst von Abt Kassian Lauterer & Dr. Ulrike Liebl. ISBN: 978-3-89870-387-1

Aus den links erwähnten Websites (Wikipedia & Abtei) wird nachfolgend in Auszügen zitiert ohne erneute Quellenangabe.

Außerdem sei auf die Website www.suedeutscher-barock.ch verwiesen, wo umfangreiches Material über Kloster und Klosterkirche zu finden ist.

Weitere Literaturhinweise bei Wikipedia.

Grundriss der Klosteranlage

1 · Außen

Bilder 1.01-09: Klosterkirche:
Die Kirche ist dem Fest Mariä Himmelfahrt geweiht und liegt im Norden der Klosteranlage. Sie ist ein einfacher Langhausbau mit gerade abschließendem Querhaus. Das gesamte Bauwerk liegt unter einem Satteldach. Der rechteckige Chor ist eingezogen und niedriger als das Langhaus. Der Kirchturm schließt direkt an den Chor an. Der Kirchturm ist zweigeschoßig und wird durch Eckpilaster gegliedert. Im Obergeschoß weist der Turm Rundbogenöffnungen als Schallfenster auf. Der Kirchturm wird durch einen Giebelspitzhelm von 1872 bekrönt. An der Giebelfassade ist ein Risalit mit großem Kreisfenster und Betongussskulpturwand. Das 1962 geschaffene Kunstwerk aus Betonguss stellt die Vision der apokalyptischen Frau aus der Offenbarung des Johannes, Kap. 12, dar. Es wurde in den Jahren 1961/1962 von Herbert Albrecht geschaffen.

Bilder 1.10-15: Collegiums Kapelle:
Die Kongregationskapelle ist dem heiligen Bernhard von Clairvaux geweiht und bildet den Nordabschluss des Kollegtraktes im zweiten Obergeschoß. Die Kapelle wurde nach einem Konzept von Abt Laurentius Wocher und Plänen von Jakob Hütle zwischen 1868 und 1888 erbaut und anschließend geweiht. Die Kapelle ist ein gerade abschließender Bau mit einem gegenüber dem Kollegetrakt höheren Satteldach mit nordseitigem Glockentürmchen. Dieser hat über einem quadratischen Untergeschoß ein achteckiges Turmgeschoß mit Haube.

Leuchttisch: Klick in ein Bild öffnet ihn und zeigt die Bilder groß

2.1 · Klosterkirche - Überblick

13 Bilder (Klick ins Bild unten startet die Diashow).
Die Abteikirche von Mehrerau überrascht den Besucher durch eine fast schmucklose Nüchternheit, erweist sich aber durch ihre erhabene Schlichtheit als wahrer Raum des Gebets. Die auf den Fundamenten der 1125 geweihten romanischen Basilika erbauten Barockkirche wurde unter der Leitung des Bregenzerwälder Baumeisters Franz Anton Beer 1730 vollendet. Nach Aufhebung des Benediktinerklosters Mehrerau wurde sie 1808 abgerissen. Die Wettinger Zisterzienser errichteten 1856-59 über denselben Fundamenten eine neuromanische Kirche, die 1961-64 von Hans Purin (Architekt aus Bregenz) in der heutigen Gestaltung umgebaut wurde. Die Kirche bildet einen hohen langen Saalraum mit offenem Holzdachstuhl. Die Wände sind durch hohe Pilasterlisenen gegliedert. Unter dem Dachansatz befinden sich Lichtschlitze. Die Querschiffwand wird von großen Kreisfenstern durchbrochen. An der rechten Langhauswand führen drei rechteckige Öffnungen zu den rechteckigen, niedrigen und flachgedeckten Seitenkapellen. Das Presbyterium mit halbkreiförmigem Abschluss liegt etwas erhöht. Über dem Chorraum ist eine Holzsatteldecke. Am Westende des Kirchenschiffes ist eine Empore. Die Kirche beherbergt unter anderem eine Reihe wertvoller Skulpturen und Gemälde aus verschiedenen Epochen. Ein von den Mönchen und dem Volk hochverehrtes Bindeglied mit der alten Benediktiner-Mehrerau ist das um 1500 geschaffene Bild der Gnadenmutter Maria..

Informationen zu den Orgeln s.u. · Tabernakel aus Marmor von Hans Arp (1963): Bild 2.08

 

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Über eine lange musikalische Tradition wird auf der Website der Abtei ausführlich berichtet. Hier nur Informationen zu den beiden Orgeln:

1860 erste Orgel, 1881 neue Hauptorgel,. Nach dem Umbau der Klosterkirche erhält die Schwarzacher Firma Rieger Orgelbau 1967 den Auftrag, eine neue Orgel zu errichten. Die neue Hauptorgel auf der Westempore wird nach einem Dispositionsentwurf durch Prof. Günther Fetz gebaut, das Äußere des Instruments folgt im Wesentlichen den Entwürfen des Architekten Mag. Hans Purin, so dass Kirchenraum und Orgel eine sehr gelungene Symbiose eingehen. ==> Bilder 2.11-13
3 Manuale & Pedal, 34 Register. Detaillierte Informationen und Disposition auf der Website Organindex

Die große Distanz zwischen Hauptorgel und Chorgestühl sowie das Streben nach einer klanglich guten Verbindung zwischen Mönchschor und Orgelbegleitung bringen den Wunsch nach einer eigenen Chororgel im vorderen Teil des Kirchenschiffs hervor.. 1880 erste Chororgel, 1896 2. Chororgel, 1974 wird die (3.) Chororgel von Rieger Orgelbau geliefert und montiert. ==> Bilder 2.04+05
2 Manuale & Pedal, 14 Register. Detaillierte Informationen und Disposition auf der Website Organindex

2.2 · Chor - Hochaltar

10 Bilder (Klick ins Bild unten startet die Diashow).
Der Hochaltar ist der Mittelpunkt des gottesdienstlichen Geschehens, auf das der ansehnliche Flügelaltar treffend hinweist. Ihn malte Durs von Aegeri aus Baden in der Schweiz. Sein Monogramm DVAE und die Jahreszahl 1582 sind am Kreuzfuß zu sehen. Das Bild stammt aus dem Zisterzienserinnenkloster Gnadenthal a. d. Reuß bei Bremgarten (Schweiz). Es befindet sich seit 1876 (nach der Aufhebung des Klosters Gnadenthal) in der Mehrerau. Auftraggeberin war die Äbtissin Maria Wegmann (1563-1597; t 1608).
Bild 2.24: Kreuzigung im Zentrum - 2.25 linker Altarflügel, 2.26 rechter Altarflügel - 2.27 Kreuztragung (li. o.) - 2.28 Kreuzaufrichtung (li. u.) - 2.29 Beweinung (re. o.), 2.30 Grablegung (re. u.).

 

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2.3 · Seitenkapellen Südseite (von West nach Ost)

In den Seitenkapellen ist an jeder Altarwand ein Tafelbild angebracht. Von Westen nach Osten:

Bilder 2.32-34: Hl. Anna selbdritt mit Engel und Hl. mit Schwert (Paulus?); Ausschnitt aus einem größeren Bild des Augsburger Künstlers Bernhard Striegel (entstanden um 1515).

Bilder 2.41-43: Engel der Verkündung - hl. Jungfrau Maria; 2. Hälfte 15. Jh., aus Oberschwaben

Bilder 2.51-54: Flügelaltarbild (Kreuztragung - Kreuzaufrichtung - Fall unter dem Kreuz); Ende 15. Jh. von Aelbert Bouts.

 

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3 · Gnadenkapelle

Ein von den Mönchen und dem Volk hochverehrtes Bindeglied mit der alten Benediktiner-Mehrerau ist das um 1500 geschaffene Bild der Gnadenmutter Maria. Die Statue gelangt mit der Auflassung des Klosters 1806 in Privatbesitz, wurde jedoch 1854 den Zisterziensern, den neuen Klosterbewohnern, zurückgegeben. Heute steht sie auf einem neugotischen Altaraufbau in der neuen Kirche, genauer gesagt in der Gnadenkapelle unter der Orgelempore und zwischen den Seitenportalen.

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.
3.11-16: einzelne Bilder
3.21-40: Details
3.51-56: Predella (Maria in Mitten der Jünger)
3.61-67: Altarkronen (musizierende Engel l+r)

44 Bilder (Klick ins Bild unten startet die Diashow).
3.03 Himmelfahrt Christi
3.04: Mariae Verkündigung (o) · Christgeburt (u)
3.05: Gnadenmutter (o) · Wappenfeld (u)
3.06: Auferstehung (o) · Anbetung Hl. Drei Könige (u)
3.07: Marienkrönung

 

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4 · Collegiums Kapelle

Gegenüber dem Klostergebäude begrenzt auf der Westseite den großen Hof mit dem Marienbrunnen das Collegium Bernardi, ein privates Gymnasium mit Internat. Hier leben und lernen Jungen im Alter von ca. 10 Jahren bis zur Matura.

Im zweiten Obergeschoß des Collegium Bernardi wurde 1884-86 von Jakob Hutle (Bregenz) für die Gottesdienste der Schüler eine im historizistischen Stil einer frühchristlichen Basilika gestaltete Kapelle errichtet. Besonders sehenswert sind die Wandgemälde mit Szenen aus dem Leben des Hl. Bernhard von Franz Xaver Kolb (1827 - 1889) und die Glasfenster mit den Geheimnissen des Rosenkranzes und den prachtvollen Stifterwappen.

Zusätzlich zur Website des Collegium Bernardi sei nachdrücklich auf die Homepage der "Altmehrerauer" hingewiesen. Im sehr umfangreichen Download-Bereich findet man viele Zeugnisse seit 1876 (!) zur Geschichte der Schule, im Kloster, darunter auch die "Mehrerauer Grüße · zugleich Jahresbericht des Gymnasiums Mehrerau". In Neue Folge Heft 59 aus dem Jahr 1982/83 beschreibt DDr. P. Kolumban Spahr die Collegiumskapelle in allen Einzelheiten. Link zum Heft (s. S. 7 – 17), außerdem direkter Download des Artikels: "Die Bau- und Bildbeschreibung der Kongregations- oder Studentenkapelle".
Informationen findet man u.a. auch in den Ausgaben NF 01, 14, 94.

In den "Mehrerauer Grüßen NF 96 (2017) sind auf S. 8 - 12 "Erinnerungen von Altabt Kassian P. Lauterer - Die Mehrerauer Collegiumskapelle" abgedruckt. Zum Download über die Website des Collegium Bernardi.

Die Detailinformationen bei den nachfolgenden Fotos sind dem Artikel aus NF 59 entnommen.

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4.1 Überblick und Details

 

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4.2 · Papstbildnisse

Bilder 4.21 - 30:
In den Zwickeln der Arkaden sind Papstbildnisse, gemalt nach den Vorbildern der Papstmosaiken von St. Paul a. d. Mauern zu Rom. Vom Eingang her links: Zuerst die zwei Zisterzienserpäpste Eugen III. und Benedikt XII. Dann sechs Päpste, die sich durch besondere Begünstigungen der Marianischen Kongregation verdient gemacht haben; schließlich Papst Pius IX., unter dem die Marianische Kongregation in der Mehrerau errichtet wurde; zuletzt Leo XIII., der zur Zeit des Kapellenbaus regierte.
Das Wappen eines jeden Papstes ist auf den Konsolen der reichgeschnitzten Streben; darunter hält ein sitzender Engel ein Schriftband mit den Jahreszahlen der Regierung des jeweiligen Papstes. In gleicher Flucht zieht sich ein Ornamentfries hin; unter diesem fügen sich stilisierte Darstellungen ein von: Adler, Leu, Lilie, Kreuz.

4.21 · 1145 - 1153 · B. Eugenius III
4.22 · 1334 - 1342 · Bendictus XII
4.23 · 1572 - 1585 · Gregorius XIII

4.24 · 1585 - 1590 · Sixtus V
4.25 · 1592 - 1605 · Clemens VIII
4.26 · 1621 - 1623 · Gregorius XV

4.27 · 1740 - 1758 · Benedictus XIV
4.28 · 1823 - 1829 · Leo XII
4.29 · 1846 - 1878 · Pius IX
4.30 · 1878 · Leo XIII

 

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4.3 · Orgel(empore)

Bilder 4.31 - 34:
Details zur Orgel, erbaut von Christoph Enzenhofer, in den Mehrerauer Grüßen NF 81 vom Juli 2004. Dort auch die Disposition der Orgel.

An der Hochwand des Mittelschiffes — vom Altar zur Orgelempore geblickt links — sieht man in den Rundbögen eines Doppelfensters je einen Engel einen Wandteppich halten, darauf steht in goldenen Lettern geschrieben
(4.32): LAUDATE DEUM IN TYMPANO ET CHORO. LAUDATE EUM IN CORDIS ET ORGANO. PS. 150
gegenüber rechts
(4.33): CANTEMUS DOMINAE VIRGINI MARIAE. IN HYMNIS ET CONFESSIONIBUS BENEDICAMUS EAM. S. Bonaventura.

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4.4 · Bernhard von Clairvaux

Bilder 4.41 - 46:
Es folgen drei Bilddarstellungen aus dem Leben des hl. Bernhard von Clairvaux:
4.41: Der kleine Bernhard wird von seiner Mutter Aleth und seinem Vater Tezelin in einer Kapelle der Muttergottes anvertraut.
4.42: Der Knabe Bernhard betend vor einem Kruzifix nahe dem väterlichen Schloß.
4.43: Der Student Bernhard in der Schule der Chorherren von St. Vorles.

Apostel schließen sich in Rundbogennischen an (s.u.). Dann reihen sich wieder Bilder aus dem Leben des hl. Bernhard ein.

4.44. Der hl. Bernhard verabschiedet sich im Schloß Fontaines-les-Dijon von seinem Vater, um ins Kloster einzutreten.
4.45. St. B. wird mit seinen 30 Gefährten vor der Klosterpforte zu Citeaux von dessen 3. Abt, Stefan Harding, begrüßt.
4.46. St. B. erhält in der Kirche zu Citeaux bei seiner Profeß die Kukulle. Auf dem aufgeschlagenen Buch liest man (links) Induat de Dominus, (rechts) creatus est in justitia. Es sind dies Worte aus dem Profeßritus.

 

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4.5 · 12 Apostel

Die Apostel tragen die ihnen zugeschriebenen Attribute. Zu ihren Füßen steht der jeweilige Name und darunter ein Glaubensartikel. Diesen personifiziert seit dem 13. Jahrhundert jeder Apostel. Der Verteilung der zwölf Artikel des Credo an die einzelnen Apostel begegnet man zuerst in dem pseudo-augustinischen Sermo Nr. 240 aus dem 6. Jahrhundert. In jedem Bild sind 3 Apostel dargestellt.

Auf der rechten Seite 4.49:
7. Philippus mit einem Kreuzstab:
Inde venturus est iudicare vivos et mortuos.

8. Bartholomaeus mit Messer:
Credo in Spiritum Sanctum.

9. Matthaeus mit Buch:
Sanctam ecclesiam catholicam sanctorum communionem.

Auf der rechten Seite 4.50:
10. Simon mit Säge:
Remissionem peccatorum.

11. Thaddaeus mit Prügel:
Carnis resurrectionem.

12. Mathias (!) mit Beil:
Et vitam aeternam.

Auf der linken Seite 4.47:
1. Petrus mit zwei Schlüsseln:
Credo in Deum patrem omnipotentem creatorem coeli et terrae.

2. Andreas mit Kreuz in zwei Querbalken:
Et in Jesum Christum filium eius unicum dominum nostrum.

3. Jacobus Maior mit Pilgerstab, Pilgermantel und Hut mit Muschel:
Qui conceptus est de spiritu sancto, natus est ex Maria virgine

Auf der linken Seite 4.48:
4. Johannes mit Kelch:
Passus sub Pontio Pilato crucifixus mortuus et sepultus est.

5. Thomas mit Lanze:
Descendit ad inferos tertia die resurrexit a mortuis

6. Jacobus Minor mit Walkerstange:
Ascendit ad coelos sedet ad dextram patris omnipotentis.

 

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4.6 · Decke

Blicken wir jetzt zur Decke des Mittelschiffs. Sie bildet eine Felderdecke. Diese ist gegliedert durch zwei Längsbalkenreihen und fünf Querbalken, die alle fein verziert sind, vor allem wo sie sich überschneiden. Geschnitzte, durchbrochene und polychromierte Streben verbinden und festigen die Mittelschiffhochwand mit der Decke, die vorne und rückwärts wie auch auf den Seiten von Balken und Streben umrahmt ist. Auf der Flachdecke des Mittelschiffs beginnen die Gemälde über der Orgeltribüne.
(Kein Foto dieses 1. Bildes)

4.6.2

Im Mittelfeld sitzt Maria als Rosenkranzkönigin auf erhöhtem Thron; darunter ein Teppich mit der Inschrift:

REGINA · STI. ROSARII · o.p.n.

Der kniende hl. Dominikus erhält einen Rosenkranz aus der Rechten Marias; ihre Linke umfaßt das stehende Jesuskind, das der hl. Katharina von Siena einen Rosenkranz reicht. In den Seitenfeldern rechts und links in Vierpaß je zwei schwebende Engel mit Schriftbändern.

Links:
MEMOR ESTO CONCREAGATIONIS TUAE
QUAM POSSEDISTI AB INITIO

Rechts:
SICUT DIES VERNI CIRCUMDABANT EAM
FLORES ROSARUM ET LILIA CONVALLIUM

4.6.3

Vier Kreise und dazwischen vier Portalaufbauten unter gestirntem Himmelsgewölbe. In den Kreisen: In der Mitte der kniende Gideon; auf dem Boden die geschorene, trockene Wolle - das Vlies und Tau ringsum. Die Erläuterung gibt rechts davon im Portalaufbau der thronende Engel mit Spruchband: Jud. VI,40 = Richter 6,40; Bundeslade mit Aaronstab: VIRGA AARONIS. Im Portalaufbau der hl. Johannes mit Überschrift: S. JOHANES (!) Ev. und Spruchband darauf: Apocal. XII,1; im Kreis: Gideon mit dem Vlies in der Hand. Daneben Engel mit Spruchband: Jud. VI,38. Im Kreis: Rose mit Goldzier darunter. Im Portalaufbau: Sitzender Prophet, MICHA PROPH. darüber; im Spruchband: MICH. IV,10. Zwischen Kreisen und Portalaufbau römische Sternbildzeichen. In den Seitenfeldern ist die Anordnung gleich wie bei denen unter 1.

Links:
SICUT PLUVIA IN VELLUS DESCENDISTI

Rechts:
UT SALVUM FACERES GENUS HUMANUM

4.6.4

Maria als Immaculata auf Mondsichel stehend und der Schlange den Kopf zertretend. Links und rechts von Maria kniet ein Engel mit Lilienstengel; darüber schwebende Engel, ein Sternendiadem über dem Haupte Mariens haltend; Inschrift in einem Buch rechts oben beginnend: TOTA PULCHRA ES MARIA. Unten. ET MACULA ORIGINALIS. Links: NUMQUAM FUIT IN TE. Die Seitenfelderanordnung entspricht der bei 2

Links:
DOM. POSSEDIT ME IN INITIO VIARUM SM.
NONDUM ERANT ABISSI ET EGO IAM CONCEPTA

Rechts:
EGO EX ORE ALTISSIMI PRODIV
DEUS ENIM CREAVIT ME IN IUSTITIA

4.6.5

Gleiche Anordnung wie bei 3., jedoch reicherer Aufbau der Portale. Im Kreis der Mitte - dem eintretenden Beschauer zugewandt - gibt Christus, der König, Maria das Zepter und erklärt sie damit als Königin. Rechts anschließend ein Engel mit Spruchband: III. Reg. II,19. M = Monogramm und Symbol für Maria. König Salomon mit Spruchband: Cant. Cant. VIII,5. Maria stehend in demütiger Haltung vor dem sitzenden Christ-König. Engel mit Spruchband: Esther V,2. Sonne als Symbol Christi. König David mit Harfe und Spruchband: PSLM (!): XXXXIV,13. Seitenfelder wie bei 1.

Links:
POSUIT DIADEMA REGNI IN CAPITE EIUS

Rechts:
FECITOUE EAM REGNARE IN LOCO VASTHI

4.6.6

Krönung Mariens. Gott-Sohn mit Königskrone, Gott-Vater mit Tiara halten über dem Haupte Mariens eine Königskrone; darüber in einer Aureole die Taube des Hl. Geistes. In den Ecken des Quadrates befinden sich Medaillons mit stilisierten Königskronen, die den Kreis berühren. Seitenfelder wie bei 2.

Links:
PLACEBO DOMINO
IN REGIONE VIVORUM

Rechts:
EGO IN ALTISSIMIS HABITO
ET THRONUS MEUS IN COLUMNA NUBIS

4.6.7

Von der Decke unter der Orgeltribüne grüßt aus dem Dreipaß vom Kreis umrahmt das Wettinger Meerweibchen. Seine Rechte hält das Wappenschild der Mehrerau, die Linke das des Abtes Maurus Kalkum.

4.7 · Sedet Sapientia

Das den ganzen Raum beherrschende Wandgemälde am Abschluß des Mittelschiffes ist 7m breit und 3,07m hoch. Im Rundbogen eines mächtigen, feierlichen Portalaufbaus, zu dem mehrere Stufen hinaufführen, sitzt auf grün gepolstertem, goldenen Thronsessel die Himmelskönigin Maria in streng frontaler Haltung, blauem Mantel und mit Krone über dem Schleier. Ihr Haupt umglänzt ein großer Strahlenkranz. In der Linken hält sie ein Zepter. Auf ihrem Schoß sitzt das göttliche Kind, die Arme weit ausbreitend, das von einer Aureole umrahmte Köpfchen leicht zur Rechten geneigt. Maria ist von stehenden Engeln flankiert. Der Engel links — vom Beschauer aus gesehen - hat auf seinem Spruchband die Worte: VENITE FILII AUDITE ME; der rechts: TIMOREM DOMINI DOCEBO VOS. Die zwei vor den Thronstufen knienden Engel halten eine Tafel. Darauf steht in goldenen Lettern:
SEDES SAPIENTIAE · ORA PRO NOBIS
Links und rechts vom Portalaufbau öffnen sich fünfeinhalb Säulenarkaden, die den Blick öffnen auf eine Palmenlandschaft. Über den Kapitellen sind zinnenartig abschließende Streben. Zwischen ihnen schweben auf jeder Seite vier Engel mit Spruchbändern, auf denen ALLELUIA geschrieben steht. Darüber erhebt sich das blaue Himmelsgezelt mit goldenen Sternen.

Die der Himmelskönigin huldigenden Personen lassen sich größtenteils bestimmen (siehe Mehrerauer Grüße NF 59).

Erfreulicherweise konnte der Restaurator den gemalten Wandteppich unter dem großen Wandgemälde wieder freilegen, ja ihn sogar kunstvoll erneuern. Aus dem rotbraunen Grund leuchten die durch Vergoldung feierlich wirkenden Symbole aus den Anrufungen der Lauretanischen Litanei hervor. Diese sind auf vier untereinanderliegende und drei waagrecht sich folgende Reihen aufgeteilt, und zwar gleichmäßig auf zwei Teile: VAS SPIRITUALE am Rande des Medaillons und in dessen Mitte ein Kelch; rechts davon in gleicher Anordnung TURRIS DAVIDICA mit Turm in der Mitte; weiters SPECULUM IUSTITIAE mit Spiegel; dann in umgekehrter Reihenfolge wieder SPECULUM IUSTITIAE usw. Es folgt die 2. Reihe in ähnlicher Folge: DOMUS AUREA mit einem Palast. Die 3. Reihe mit TURRIS EBURNEA mit einem Turm von Mauerzinnen umgeben. Die 4. Reihe mit VAS INSIGNE DEVOTIONIS beginnend und darin eine Monstranz. Dazwischen sind in kleineren Kreisen das Monogramm Mariens, ein SM. darüber ein Stern, und abwechselnd eine stilisierte Lilie.

4.8 · Fenster

Eine heute wieder mehr beachtenswerte und geschichtlich nicht unbedeutsame Zier unserer Studentenkapelle bilden die Glasmalereien. Wir verdanken sie der Firma Geyling in Wien. Die Art der Darstellung erinnert an die „Nazarener", das ist jene Gruppe von Malern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die zurückgriffen auf die religiöse Malerei des späten Mittelalters. Ihre Losung hieß: Wahrheit, Schlichtheit, Innigkeit. Dem andächtigen Beschauer unserer Glasgemälde will sich das Leben Jesu in seinen wichtigsten Phasen darbieten. Die Medaillons sind umrankt von stilisierten Blumenmustern in Kreisen, Halbkreisen und Rauten. Beide Fensterseiten entsprechen sich mit den Mustern gegenseitig.

1. Vorne rechts gegenüber dem Altar Rosetten sternförmig angeordnet und untereinander verschlungene Perlschnüre.
2. Anschließend Rauten.
3. Große Rosetten.
4. Halbkreise.
5. Große Rosetten.
6. Kleine Rosetten.

Die Medaillons stellen von vorne rechts anfangend und sich fortsetzend im Uhrzeigersinn:

1. VERKÜNDIGUNG an MARIA.
Darüber das Hohenzollernwappen von Fürstenkrone überhöht und vom Fürstenmantel eingehüllt. Stifter: Leopold Fürst von Hohenzollern. 1886. Dies ist Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, der durch die Annahme der spanischen Thronkandidatur Anlaß gab zum Deutsch-Französischen Krieg 1870.

2. MARIA HEIMSUCHUNG.
Darüber Wappen der Auersperg und Zier wie oben. Inschrift: Ernestine Prinzessin von Auersperg. Maria Prinzessin von Auersperg. 1886.

3. CHRISTI GEBURT.
Allianzwappen der Gravenreuth-Gise. Inschrift: Maria Grafin von Gravenreuth geb. Freifrau von Gise. 1886.

4. ANBETUNG CHRISTI durch die drei WEISEN.
Allianzwappen der Hämmerle-Teutsch. Inschrift: Zur frommen Erinnerung an + Jacob Teutsch von Bregenz gewidmet von Catharina Teutsch geborene Hämmerle. 1886.

5. DARSTELLUNG JESU im TEMPEL.
Darüber Wappen, waagrecht halbiert schwarz-rot mit goldenem Stern in jedem Feld. Kein angestammtes, sondern eigens gemachtes Wappen. Inschrift: Conrad Notz von Reichenhofen und Crescentia geborene Biechele. 1886. Das sind die Eltern des nachmaligen Abtes Eugen Notz.

6. DER KNABE JESU im TEMPEL.
Darüber Herz-Jesu-Symbol. Inschrift: Felix Bartholomaeus und Catharina Hehle von Oberlochau. 1886.

7. TAUFE JESU im JORDAN.
Darüber Herz-Mariä-Symbol. Inschrift: Johann Romuald Kerber und Catharina Kerber geborene Gruber in Bregenz. 1886.

8. TOD des HL. JOSEF.
Darüber Wappen der Rhomberg. Inschrift: Adolf Rhomberg von Dornbirn. 1886.

9. DAS LETZTE ABENDMAHL.
Darüber Wappen der Hämmerle und von Ratz. Inschrift: Zur frommen Erinnerung an + Franz Martin Hämmerle Fabrikbesitzer in Dornbirn und + Maria Hämmerle geborene von Ratz. 1886. Damit ist der Gründer der heutigen F. M. Hämmerle Textilwerke AG gemeint.

10. MARIA unterm KREUZE CHRISTI.
Darüber Wappen mit Mitra, Brustkreuz, Lothringerkreuz und -stab. Bischofsstab hinter der Mitra gekreuzt, überhöht von einem Umbraculum; zwei steigende Greife als Schildhalter. 7. Juillet 1875. Inschrift: Joseph Troui11et Protonotarius Apostolicus und päpstlicher Hausprälat. 1886. Dieser war ein großer Wohltäter der Mehrerau.

11. CHRISTUS am KREUZ.
Unten zur Seite Maria und Johannes. Darüber sechsteiliges Wappen. Inschrift: Friedrich Graf von Quadt-Wykradt. Isny. 1886. Er war der Besitzer der ehemaligen Benediktinerabtei Isny, die mit der Benediktiner-Mehrerau besonders verbunden war.

12. KRÖNUNG MARIENS durch CHRISTUS.
Fünfteiliges Wappen mit Zier wie bei 1. Inschrift: Aloysia Fürstin von Starhemberg geborene Prinzessin von Auersperg. 1886.

 

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In den Glasgemälden der Stirnwand erkennen wir durch das jeweilige Schriftband die vier Evangelisten. Sie ordnen sich von links nach rechts ein, zeigen einen schematischen Aufbau und sind weiters erkenntlich durch ihr Attribut. Jeder hält einen Gänsekiel in der Rechten, in der Linken umfaßt er ein Buch.

St. Mathäus (!) in frontaler Haltung mit Engel zur Linken;
St. Marcus im Dreiviertelprofil mit einem Löwen zur Linken.
Unten: Frau Sophia Rössler geb. Pfanner in Bregenz.

St. Johannes mit Adler zur Rechten
im Dreiviertelprofil.
hoc Sacellum in honorem Deiparae
et in usum Alumnorum Collegii S. Berna(!)di
aedificari et exornari
jussit Anno Domini MDCCCLXXXV.

St. Lucas mit Stier zur Rechten
Frontal.
Reverendissimus ac Amplissimus
Dominus Maurus Kalkum Abbas
exemti / et consistorialis Monasteri B.M.V. de Marisstella
et prior Augiae Maioris

4.9 · Kreuzweg

An den mit Quaderbemalung gezierten Wänden sind die Kreuzwegstationen angebracht, die der Restaurator mit neuer Fassung rahmte. Die Stationen beginnen vorne rechts zwischen dem ersten und zweiten Fenster gegen den Studentenhof zu. Sie sind im Sinne des Uhrzeigers angebracht.

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Die Kreuzwegtafeln malte P. Leopold FINK (+1919 in der Mehrerau) nach Vorlagen seines Meisters Professor Gebhard Fugel, allerdings mit gewissen freien Abänderungen, so daß das Werk einer persönlichen künstlerischen Gestaltung und des Wertes nicht entbehrt.

Informationen zu Kreuzweg auf www.kirchen-online.org

 

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4.10 · Das letzte Abendmahl

Im Treppenhaus des CollegiumS. Bernardi hängt eine Kopie von "Das letzte Abendmahl" von Leonardo da Vinci...

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Abtei Mehrerau Klosterkirche und Collegiums Kapelle fotografiert am 02.04.2016, 06.04.2018, 30.07.2019 - 178 Bilder
Auf www.kirchen-online.com veröffentlicht am 02.09.2019 SDG
(c) 2019 Foto-Kunst Andreas Keller

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